Coldplay: Interview mit Chris Martin
Viva la Vida or Death and All His Friends, das aktuelle Album der berühmten britischen Band Coldplay war weltweit ein unglaublicher Erfolg. Das will viel heissen, wenn man bedenkt, dass es die Band beinahe nicht mehr gegeben hätte. Wie haben sie das geschafft? Der Sänger der Band, Chris Martin (31), schafft hier Klarheit.
Coldplay ist im Augenblick eine der populärsten Bands der Welt. Das Album „X&Y“, herausgebracht im Jahr 2005, hat überall auf der Welt die Charts dominiert und sich allein im ersten Jahr mehr als acht Millionen Mal verkauft. Ein solcher Erfolg bringt Coldplay in Sphären, in denen sonst nur Bands wie U2 spielen. „Wir hatten eine Stufe erreicht, in der wir dachten: Viel größer können wir nicht mehr werden, also müssen wir versuchen, besser zu werden“, sagt der Songschreiber, Sänger, Gitarrist und Pianist von Coldplay, Chris Martin. Und es sieht so aus, als stünde er zu seinem Wort. Die allgemeine Kritikermeinung ist, dass Coldplay mit ihrem vierten Album „Viva la Vida or Death and All His Friends“ das wahrscheinlich beste Werk ihrer gesamten Karriere hingelegt haben.
Chris, was ist der größte Unterschied zwischen „Viva la Vida“ und dem Vorgängeralbum „X&Y“?
Chris Martin: „X&Y war melodisch, aber auch zu sicher. Es gab darauf zu viele Songs, die Hymnen sein wollten. Das Problem mit Hymnen ist, dass alle Songs dazwischen in der Regel untergehen. In „Viva la Vida“ gibt es nicht eine einzige Hymne, die die anderen Songs dominiert. Wir haben auch alles versucht, um offener, mutiger, eklektischer zu sein … Wir wollten uns diesmal auf keinen Fall selbst beschränken. Für uns ist dieses Album so etwas wie unser „Sgt. Pepper’s“ oder wie „Achtung Baby“ für U2 – es markiert einen Wendepunkt, eine neue Richtung in unserer Entwicklung als Band. Wenn ich sagen soll, worum es in „Viva la Vida“ geht, würde ich sagen, dass es um Sex und Tod und Liebe und Furcht und Reisen und Krankheit geht. Ich denke, dass von allem etwas drin ist – viel Licht, aber auch viel Dunkelheit.“
Wo wir gerade von der dunklen Seite sprechen … Obwohl das Album ein so spektakulärer Erfolg ist, gibt es dennoch Kritiker, die Ihre Arbeit hart attackieren …
„Glücklicherweise ist niemand gezwungen, unsere Musik zu hören. Viele Menschen hassen unsere Musik und nicht weniger Menschen finden unsere Musik absolut überbewertet. Und bei dem letzten Punkt haben sie ja auch nicht ganz unrecht. Wir sind nicht gerade die besten Einzelmusiker, aber zusammen ergibt sich so eine unerklärliche Alchemie, die uns voranbringt.“
Sie waren gerade in Nordamerika auf Tour, als Obama die Wahlen gewonnen hat.
„Oh Mann. Die Tour durch Amerika war fantastisch! Es war so unglaublich, dort zu sein, und das Publikum war überall in so großartiger Stimmung – ich hatte den Eindruck, dass an die 90 Prozent unserer Fans auch Obama-Fans sind. Es war, als ob wir Teil einer größeren Geschichte geworden wären. Wir haben am Wahltag in New York gespielt – was für eine Riesenparty. Absolut verrückt! Es war, als ob alle Leute, die acht Jahre lang schweigen mussten, jetzt endlich ihre Meinung sagen können.“
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